zurück zur Übersicht

24.02.2026 - Braids sind mehr als Zöpfe: Über Empowerment im pädagogischen Alltag


Amelie Brümmer, eine der Gruppenleitungen im Clemens-Maria-Kinderheim, beschäftigt sich schon seit einiger Zeit mit Protective Hair Styles für Kinder. Was wie eine simple Frisurentechnik aussieht, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als ein wirksamer pädagogischer Weg, Kindern durch Hinwendung, Geduld und Wertschätzung mehr Selbstvertrauen und Kulturidentität zu vermitteln.

Jedes Kind darf selbst über seine Haare entscheiden.
 

Ob es zum Beispiel Extensions möchte, bunte Perlen ...
 

... oder keins von beidem.
Braids oder Corn-Rows sind Zöpfe, die in kleinen Reihen entstehen, die am Kopf entlang geflochten werden. Sie schützen die Haare vor dem Verfilzen und vor dem oft schmerzhaften täglichen Durchkämmen. Amelie Brümmer war in einer anderen Einrichtung aufgefallen, dass Kinder mit afro-amerikanischem Haar oft sehr kurz geschnittene Frisuren hatten, da anscheinend nichts gegen das Verfilzen half. Sie befasste sich näher mit dem Thema, lernte Flechttechniken und kann ihre Kenntnisse nun im Clemens-Maria-Kinderheim in die Praxis umsetzen.

Dabei beobachtet sie, dass viele der Kinder ihre eigenen Haare nicht schön fanden, bevor sie nach Putzbrunn kamen. Sie waren ein Symbol für Ausgrenzung und für erlebten Rassismus. Nun erleben die Kinder durch das Hairstyling Empowerment. Ihnen wird Respekt und positive Aufmerksamkeit entgegengebracht. Jedes Kind darf selbst darüber entscheiden, wie die eigenen Haare aussehen sollen, ob sie bunte Extensions oder Perlen möchten oder nicht.

Mit großem Engagement wendet Amelie Brümmer verschiedene Flechttechniken an und kommt so mit den Kindern ins Gespräch.
 
Das kreative Styling verändert ihre Sichtweise auf die eigene Kultur, ihre Haare und auf sich selbst. Immerhin dauert eine Flechtsession bis zu sechs Stunden. Dabei entstehen Gespräche, zum Beispiel darüber, wie Sklav:innen früher in die Corn-Rows Informationen über Fluchtwege einflochten oder Lebensmittel darin versteckten. Haare sind ein Identitätsfindungsfaktor und aus Beschämung wird Selbstvertrauen und Stolz auf die eigene Kultur.

Das Vertrauen wächst

Dabei geht Amelie Brümmer inzwischen über das Flechten weit hinaus. Sie hat spezielle Pflegeprodukte für die Kinder und ihre Haarstruktur gefunden, hat gute Kämme und Bürsten und versorgt die Kinder mit Durags und Bonnets, seidene Hauben, die das empfindliche Haar in der Nacht vor der Reibung auf dem Kissen schützen sollen.

Kein Wunder, dass die Kinder die Aufmerksamkeit genießen und das Vertrauen wächst. Und auch kein Wunder, dass das Beispiel Schule macht und Pädagog:innen aus anderen Gruppen vorbeischauen, um das Flechten zu lernen.

Braids sind mehr als Zöpfe, sie sind ein Weg zu mehr Selbstbewusstsein, Identität und vertrauensvoller Bindung. Das Clemens-Maria-Kinderheim ist stolz darauf, dass Amelie Brümmer im pädagogischen Alltag die Aufmerksamkeit auf diese wichtige Tatsache lenkt.

Text und Fotos: Clemens-Maria-Kinderheim